Sich für eine bessere Behandlung mehr Zeit zum beobachten nehmen

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Dr. William Suerinck & Dr. Cora Luchino

Psychiater, Homöopath, Kinderarzt, Homöopath - Centre de santé La Pierre Blanche, La Corbière

Juni 27, 2021

Was ist Homöopathie? Sie ist eine Behandlungsmethode, die sich nicht unbedingt auf die Krankheit selbst konzentriert, sondern auf den Menschen als Ganzes. Sie betrachtet neben der Krankheit auch die physische, psychologische und emotionale Seite des Menschen. Die Patienten, die in der Regel an der Homöopathie teilnehmen, leiden an einer chronischen, fortschreitenden Krankheit. Diese Krankheit kann nicht geheilt werden, aber die Symptome können möglicherweise stabilisiert werden. Ein weiteres typisches Symptom ist die Müdigkeit. Die Homöopathen stellen dann eine Reihe von Fragen und erkunden, wie der Patient sein Leben bisher gelebt hat. Nachdem sie alle möglichen Informationen gesammelt haben, kommt die Homöopathie zum Einsatz. Wenn man sich also die Zeit nimmt, den Patienten zu beobachten, kann man ihn insgesamt besser behandeln.

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Vor kurzem haben sich etwa sieben von zehn Schweizern bei einer Abstimmung dafür ausgesprochen, dass Krankenkassen weiterhin die Kosten für homöopathische Leistungen übernehmen sollen. Die sogenannte «sanfte» Medizin der Homöopathie ist der Weltgesundheitsorganisation zufolge die Medizin, die weltweit am zweithäufigsten zur Anwendung kommt. Aber was sind die Vorteile dieser individuellen und vollkommen natürlichen Medizin, bei der sich Zeit genommen wird, um zu beobachten und den Heilungsverlauf zu optimieren? Die Antwort geben uns Herr Doktor William Suerinck und Frau Doktor Cora Luchino, die beide im Gesundheitszentrum Pierre Blanche im Kanton Freiburg praktizieren.

Was ist die sogenannte sanfte Medizin oder Homöopathie? Und wie unterscheidet sie sich von der Schulmedizin?

Dr. William Suerinck: Ein wichtiges Merkmal der « sanften Medizin», der chinesischen Medizin und der Homöopathie, ist der sehr individuelle Ansatz im Gegensatz zu einem standardisierten Ansatz bei der konventionellen Medizin. Ein Beispiel: Sie haben eine chronische Krankheit. Die Basis der Behandlung ist hier bei jedem Patienten gleich. Konventionelle Behandlungen konzentrieren sich auf die Erkrankung(en), und nicht auf die erkrankte Person in ihrer Gesamtheit. Die Homöopathie berücksichtigt die leidende Person in allen ihren Dimensionen: körperlich, emotional und psychologisch. In der Homöopathie werden Tausende von Substanzen aus den drei Naturreichen (Pflanzen, Mineralien, Tiere) verwendet, die besonders empfindlichen Personen und in Verbindung mit aufwendigen Behandlungen wie der Chemotherapie verabreicht werden können.

Dr. Cora Luchino: Es geht darum, den Körper zu beobachten. «Erkenne dich selbst», wie es im griechischen Zitat heißt. Bei der homöopathischen Medizin geht es darum, zu beobachten, wie ein Organismus auf eine Erkrankung reagiert. Das ermöglicht es in der Folge, eine Behandlungsstrategie zu entwickeln. Man stellt hierzu eine Reihe konkreter, grundlegender Fragen wie: Haben Sie Durst? Worauf? Wie ist Ihr Appetit? Ein Patient wacht zwischen 2 und 3 Uhr morgens mit einem Husten auf, der ihm Halsschmerzen bereitet: Wie ist dieser Schmerz? Kratzt es? Brennt es? Es ist eine Medizin, die sich Zeit für den einzelnen Organismus nimmt, um ihn besser zu behandeln.

Was sind die anderen Vorteile dieser Behandlungsart?

Dr. William Suerinck: Nur sehr wenige wissenschaftliche Studien konnten die Wirksamkeit dieser Medizin nachweisen. Unter hunderten Millionen von Nutzern ist aber weltweit eine Zufriedenheit zu beobachten, der Priorität eingeräumt wird. Bei einer sorgfältigen Anwendung kann die homöopathische Medizin Menschen mit chronischen Krankheiten stabilisieren und manchmal sogar den Rückgang einer Krankheit ermöglichen. Statt Symptome zu bekämpfen, versucht man, die Ursache für diese zu verstehen. Wenn ein Organismus eine Krankheit hervorrufen konnte, muss er in der Lage sein, sie rückgängig zu machen. All das auf eine sanfte Weise und ohne auf toxische Produkte zuzugreifen oder Abhängigkeiten in Kauf zu nehmen.

Dr. Cora Luchino: Es gibt keine Nebenwirkungen! Nehmen wir die zwei meistgenutzten Arzneimittel: Paracetamol und Ibuprofen. Das erste ist ein fiebersenkendes Schmerzmittel, das zweite ein entzündungshemmendes Mittel. Es ist bewiesen, dass Paracetamol schlecht für die Leber ist, denn es kann zu Leberversagen führen. Die Leber verliert ihre Regenerationsfähigkeit, die wichtig für die Bekämpfung von Infektionen ist. Der weit verbreitete europäische Automatismus, zu Paracetamol zu greifen, sobald sich erste Anzeichen einer Grippe zeigen, ist also schlecht, vor allem für junge Menschen, deren Leber unbedingt geschützt werden muss. Was Ibuprofen angeht, weiß man, dass es die Magenschleimhaut schädigt. Beide Medikamente bekommt man ganz einfach ohne Rezept. Und das ist für mich schon ein Problem.

Für welche Arten von Patienten und Erkrankungen ist die sanfte Medizin gedacht?

Dr. William Suerinck: Der typische Patient ist eine Person, die unter einer chronischen, fortschreitenden Erkrankung leidet. Es handelt sich also um eine Erkrankung, die nicht heilbar ist, bei der aber eine Stabilisierung hinsichtlich der Symptome möglich ist. Manchmal sind diese Patienten unzufrieden mit ihrer Behandlung. Sie möchten außerdem eine Verschlechterung oder einen Rückfall vermeiden. Man kann einen Patienten, der an Krebs leidet, nach seiner Chemotherapie sehr gut begleiten und ihm bei der Erholung helfen und Nebenwirkungen lindern. Oder man begleitet Patienten, die sich erschöpft fühlen, sei es im Zusammenhang mit einer Krankheit oder auch nicht, oder die einen Burnout hatten und sich regenerieren müssen. Vor kurzem haben wir im Pierre Blanche einen Patienten mit Prostatakrebs behandelt. Er war aufgrund seiner Behandlungen abgemagert, sehr erschöpft und litt unter schrecklichen Schmerzen und starker postoperativer Harninkontinenz. Wir haben dann einen Termin für eine Homöopathie-Sprechstunde vereinbart. Es haben dann zwei Homöopathen über drei oder vier Stunden eine individuelle Behandlung ausgearbeitet. Auch hier haben wir uns also die Zeit genommen, zu beobachten und zu analysieren. Nach einer Woche war der Patient viel besser in Form, hatte viel weniger Schmerzen und bei der Inkontinenz erreichten wir eine Verbesserung um 70 Prozent. Er hat drei Kilo zugenommen und seine Stimmung hatte sich deutlich verbessert. Bei dieser medizinischen Behandlung wurden selbstverständlich physische und psychotherapeutische Ansätze mitberücksichtigt. Eine wichtige Rolle spielte auch die Ernährung und eine angepasste Wiederaufnahme der körperlichen Betätigung.

Dr. Cora Luchino: Ein anderer typischer Fall: Müdigkeit. Das ist einer der häufigsten Gründe für eine Sprechstunde. Eine Person ist also müde. Wir analysieren ihre gesamte Lebensart und wie es ihr psychisch geht. Ist die Person glücklich? Hat sie Freuden in ihrem Leben? Das ist die Grundlage. Dann frage ich sie, was sie isst. Das gibt mir eine Vorstellung vom Zustand ihres Darms. Denn es ist bekannt, dass 90 Prozent der Probleme auf dieses Organ zurückzuführen sind, welches auch als «das zweite Gehirn» bezeichnet wird. Und hiernach erst kommt die Homöopathie. Man nimmt nicht einfach eine Tablette, sobald es ein Problem gibt, sondern man analysiert das Leben des Patienten und beobachtet. Mit Homöopathie werden insbesondere die seltenen oder seltsamen Symptome der Müdigkeit behandelt, zum Beispiel eine geschwollene und weiße Zunge beim Aufwachen. Oder: Mein Schlaf ist nicht erholsam und verschlechtert meinen Gemütszustand. An diesem Punkt können wir handeln und auf absolut natürliche Substanzen zurückgreifen. Nämlich nachdem wir den Patienten in seiner gesamten Individualität analysiert haben.

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