„Würdevoll altern“, eine Kunst …

Denise Bombardier

März 3, 2022

Mit Anmut zu leben ist eine Kunst, ebenso wie mit Anmut zu altern. Es kann einige Zeit dauern, sich an die körperlichen Veränderungen zu gewöhnen, die mit dem Älterwerden einhergehen. Frauen machen diese Erfahrung mehr als Männer, sie werden härter beurteilt. Während Falten und andere Anzeichen des Alterns bei Männern akzeptiert, in manchen Fällen sogar begünstigt werden, ist es bei Frauen das genaue Gegenteil. Deshalb treffen Frauen schon früh Vorkehrungen und verwenden ihr Leben lang verschiedene Hautpflegeprodukte. Heutzutage gibt es nicht nur eine Vielzahl von Hautpflegeprodukten, sondern man kann sich sogar einer kosmetischen Operation unterziehen, um das gewünschte Aussehen zu verändern. Kosmetische Eingriffe sind mit Vorsicht zu genießen, denn sie können durchaus übertrieben werden. Dennoch kann sie eine gute Möglichkeit sein, die körperliche Alterung zu bekämpfen, wenn sie unter den richtigen Umständen durchgeführt wird.

Möchten Sie mehr darüber erfahren? Lesen Sie den Artikel weiter!

In der Welt der frankophonen Medien ist die kanadische Journalistin Denise Bombardier ein Star. Die 1941 geborene Intellektuelle vertritt mutige Ansichten und zeichnet sich durch ihren starken Charakter aus. Sie machte beim kanadischen Fernsehen Karriere, wo sie dreissig Jahre lang politische, wissenschaftliche und kulturelle Sendungen moderierte. Ausserdem arbeitete sie mit Zeitschriften und Magazinen wie L’Express, Le Monde und Le Point zusammen und war nebenbei als Autorin und Texterin tätig. Ihr Engagement im Kampf um die Verteidigung der französischen Sprache brachte ihr die Aufnahme in die Ehrenlegion und den Nationalen Verdienstorden ein.

Heute arbeitet Denise Bombardier immer noch für das Journal de Montréal und teilt ihr Leben zwischen Florida, Kanada und Frankreich auf. Gerade ist ihr einundzwanzigstes Buch erschienen: „Vieillir avec grâce“ (z. Dt. „Würdevoll altern“).

Ein Gespräch.

In diesem Buch beschäftigen Sie sich mit der Ungleichheit von Männern und Frauen vor dem Alter …

Ja. Männer erhalten zusätzlichen Charme, wenn sie Falten bekommen, Ringe unter den Augen haben und ihr Gesicht zunehmend vom Alter gezeichnet ist. Wir alle kennen Männer, die mit zunehmendem Alter attraktiver waren als mit zwanzig! Bei Frauen ist es genau umgekehrt. Falten und Anzeichen der Alterung sind nicht gerne gesehen.

Aber das hat Sie nicht davon abgehalten, zu betonen, dass Männer viel schlechter mit dem Älterwerden umgehen können als Frauen …

Es stimmt, dass sie deutlich mehr Schwierigkeiten mit dem Altern haben als wir. Es ist ein schleichender Prozess. Am Anfang ist alles in Ordnung, und dann, um die 65, „brechen sie zusammen“ und klagen bitterlich über ihr Alter. Frauen bereiten sich bereits früh darauf vor. Sie tun alles, um die Alterung hinauszuzögern, und sie denken darüber nach. Männer hingegen werden sich ihres Alters erst bewusst, wenn ihre Manneskraft nachlässt. Und das macht ihnen Angst.

Und Sie, welche Beziehung haben Sie zum Alter?

Ich beschäftige mich mit dieser Frage, seit mir bewusst geworden ist, dass es nicht die Polizisten und Piloten um mich herum sind, die jünger werden, sondern dass ich älter werde! Die Lebenserwartung steigt, ich lebe in Florida, einer Region, die sich verjüngt. Immer mehr Frauen greifen auf die Schönheitschirurgie zurück, und das immer früher. Wir haben alle Angst davor, nicht mehr verführerisch zu sein, das gilt für mich und für alle anderen. Aber ich bin nicht bereit, alles für meine Schönheit zu tun.

Haben auch Sie sich von der Schönheitschirurgie verleiten lassen, für die Sie in Ihrem Buch wenig Entgegenkommen zeigen?

Ich habe meine Lider straffen lassen und ein bis zwei Mal pro Jahr lasse ich mir leichte Injektionen verabreichen. Für mich ist es wichtig, präsentabel zu bleiben, aber gleichzeitig ein natürliches Erscheinungsbild zu bewahren. Was mich stört, ist das Extreme. Frauen, die drei oder vier Liftings hinter sind haben, sehen aus wie aus einem Science-FictionFilm! Sehen Sie sich ihre Gesichter an … Diese Eingriffe verändern sie von Grund auf. Sie sehen sich hinterher nicht mehr ähnlich. Stellen Sie sich die Schäden vor, die so ein Eingriff anrichten kann, sowohl körperlich als auch psychisch.

Ein Kapitel Ihres Buches haben Sie der Angst vor dem Älterwerden gewidmet, dem Grund für die schlimmsten Ausschweifungen in Sachen Schönheitschirurgie …

Ja, diese Angst ist immer da, auch nach einem Lifting. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich durch Aussehen und die Besessenheit von Perfektion und ewiger Jugend definiert. Das ist es, was junge Mädchen dazu verleitet, sich operieren zu lassen. Man muss sich diese Situation wirklich bewusst machen.

Dieses Buch unterscheidet sich stark von Ihren anderen Werken. Insbesondere von „L’Anglais“, in dem Sie erzählen, wie Sie Ihren jetzigen Mann kennengelernt haben, der jünger ist als Sie. Was haben Sie bei der Arbeit an diesem Buch über die Kunst, in Würde zu altern, gelernt?

Ich habe jede Menge gelernt, vor allem über die Haut. Beispielsweise weiss ich jetzt, dass man sich mit über 70 nicht mehr liften lassen muss, da sich die Haut nicht mehr straffen lässt wie vorher.

Abgesehen von den Cremes, von denen Sie schreiben … Wie gehen Sie sonst noch mit dem Älterwerden um und was tun Sie dagegen?

Ich bin der Meinung, dass man auf sein Innenleben achten sollte. Ich bin nicht gläubig, aber ich bin „katholisch-soziologisch“! Aber man kann auch Transzendenz spüren, ohne zu glauben. Ich stelle mir Fragen. Ich glaube, dass das Leben eine Gabe ist. Ich glaube, dass man immer nach einem Sinn suchen muss. Meine Mutter erzählte oft, dass ich bei meiner Geburt wie tot war, so leblos, dass ich sogar eine Nottaufe erhielt. Sie weinte in ihrem Bett, als eine Gläubige zu ihr kam und fragte, was passiert sei. Sie antwortete ihr, dass ich sterben würde. Die Gläubige kam zu mir und sagte dann zu meiner Mutter: „Sie wird nicht sterben, in ihren Augen spiegelt sich Lebenslust.“ Ich liebe das Leben, ich liebe die Menschen, ich lebe an einem sehr lebendigen Ort. Ich bereue nichts, ich esse und trinke mit Genuss. Ich glaube, dass alles viel leichter wird, wenn wir uns so akzeptieren, wie wir sind, und das Leben geniessen! Sie haben das erste Treffen mit meinem Mann erwähnt. Ich glaube, dass er es ist, der mir jeden Tag aufs Neue ein Lifting verpasst!

„Vieillir avec grâce – Rester jeune à tout prix ou vivre pleinement son âge?“ (z. Dt. „Würdevoll altern – Jung bleiben um jeden Preis oder sein Alter in vollen Zügen geniessen“), Denise Bombardier, in Zusammenarbeit mit Eric Dupont, Doktor für Physiologie-Endokrinologie, Les Editions de l’Homme

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