Vitamin D-Supplementierung: Warum? Für wen? Wie?

woman eating a salad

Dr. Pierre-Olivier Lang

Geriatspezialist, Centre médical de la Cliniquede Montchoisi, Lausanne und Clinique de Genolier

Juli 16, 2022

Vitamin D, auch als „Sonnenvitamin“ bekannt, ist ein Nährstoff, den unser Körper für das Wachstum und die Erhaltung von Knochen, Muskeln und Zähnen benötigt, hat aber auch noch andere Aufgaben. Der Grund, warum es auch „Sonnenvitamin“ genannt wird, ist, dass es die natürliche Reaktion unseres Körpers ist, wenn er der Sonne ausgesetzt ist. Es kommt nicht unbedingt nur von der Sonne, sondern kommt auch in einigen Lebensmitteln wie fettem Fisch, rotem Fleisch, Leber, Eigelb und anderen vor. Darüber hinaus können Sie es auch über Vitamin-D-Ergänzungen erhalten. Dies ist sehr wichtig, da ein Vitamin-D-Mangel potenzielle Gesundheitsprobleme wie Herzerkrankungen und Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Multiple Sklerose und mehr bedeutet.

Möchten Sie mehr wissen? Lesen Sie unten den Artikel von Dr. Pierre-Olivier Lang.

Vitamin D

Streng genommen ist Vitamin D (VitD) kein Vitamin, sondern ein Hormon. Es kann von der Haut unter dem Einfluss von ultravioletter Sonnenstrahlung (UVB) synthetisiert werden und seine Wirkung wird von einem spezifischen Rezeptor aktiviert, der in fast allen Gewebearten unseres Organismus vorkommt. Dieses «Vitamin» kann auch über die Nahrung aufgenommen werden, in der es in zwei Formen enthalten ist: VitD2 in Produkten pflanzlichen Ursprungs und VitD3 in Produkten tierischen Ursprungs. Die bekannteste Wirkung von VitD betrifft die Knochengesundheit und das Gleichgewicht des Calciumstoffwechsels. VitD fördert die Absorption des Calciums aus der Ernährung im Darm sowie seine Bindung in den Knochen. Es spielt ausserdem eine wichtige Rolle für die Muskeln, das Immunsystem und die Zellerneuerung zahlreicher Gewebe.

Warum muss ein Vitamin-D-Mangel behoben werden?

Die Vorteile einer VitD-Supplementierung für die Gesundheit sind zwar längst bewiesen, die VitD-Werte im Blut, ab denen diese Vorteile beobachtet werden, sind jedoch weiterhin umstritten. In der Regel wird ein Wert von mindestens 50 nmol/l empfohlen, um die Knochenmineralisierung zu optimieren und Osteoporose vorzubeugen, sowie Werte über 75 nmol/l für eine optimale allgemeine Gesundheit. Ab diesem Wert trägt VitD ausserdem zur Kontrolle des Blutdrucks bei sowie zur Prävention von kardiovaskulären Krankheiten und Darm- und Brustkrebs. Des Weiteren spielt es eine Rolle bei der Prävention bestimmter Infektionen, im Besonderen bei Atemwegsinfektionen. VitD hat eine regulierende Wirkung auf bestimmte Autoimmunerkrankungen wie multiple Sklerose und Diabetes und verstärkt die Immunantwort auf Impfungen. Umgekehrt wurden Werte von < 50 nmol/l aber auch > 220 nmol/l mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit in Verbindung gebracht.

Muss man einen Vitamin-D-Mangel nachweisen?

VitD-Mangel ist ein grosses Problem der Volksgesundheit: 80% der Schweizer Erwachsenen haben Werte < 75 nmol/l und 50% Werte < 50 nmol/l. Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko eines Mangels. Dies erklärt sich dadurch, dass weniger VitD3 und/oder D2 mit der Nahrung aufgenommen wird und ältere Menschen seltener Sonnenstrahlung ausgesetzt sind. Mit zunehmendem Alter nimmt bei gleichbleibender UVB-Exposition ausserdem die Fähigkeit der Haut ab, VitD zu produzieren (Rückgang um bis zu 75%).

Trotzdem wird die systematische biologische Früherkennung ab 50 nicht empfohlen. In Fällen, in denen ein Mangel so gut wie sicher ist, wird mit der Supplementierung begonnen, ohne dass dieser zuvor biologisch nachgewiesen wird. An dieser Stelle ist es wichtig, zu erwähnen, dass die Bestimmung des Blutwerts um die CHF 50 kostet, während die Kosten für eine Supplementierung mit den üblichen Dosen für ein ganzes Jahr rund CHF 20 betragen. Falls der Blutwert bestimmt wird, sollte dies im Herbst geschehen, um sicherzustellen, dass die VitD-Reserven für den bevorstehenden Winter ausreichen.

In welcher Dosis muss VitD supplementiert werden?

Laut Empfehlungen für die Altersgruppe 50 bis 70 wird die Zufuhr von mindestens 600 Einheiten pro Tag empfohlen. Ab 70 sollten täglich mindestens 800 Einheiten zugeführt werden. Um eine Konzentration im Blut von > 75 nmol/l zu erreichen, muss häufig eine Dosis von 1500 bis 2000 IE pro Tag aufgenommen werden, wenn der ursprüngliche Blutwert nicht optimal ist. Man schätzt, dass die Verabreichung von 100 IE VitD3 und/oder D2 den Blutwert durchschnittlich um 2,5 nmol/l erhöht, bei einer Ausgangskonzentration von < 25 nmol/l. Die maximale Dosis VitD3 und/oder D2 für Erwachsene wird auf 2000 IE/Tag geschätzt. Diese Posologie sollte einigen Experten zufolge als Tagesdosis empfohlen werden.

Welche Vitamin-D-Quellen gibt es?

Die wichtigsten natürlichen VitD-Quellen sind in zwei grosse Kategorien unterteilt: UVB-Exposition und Lebensmittel (tierischen Ursprungs = VitD3 und pflanzlichen Ursprungs = VitD2).

1. UVB Exposition

Die VitD-Reserven unseres Organismus stammen hauptsächlich aus der VitD-Produktion der Haut durch UVB-Exposition. Daher überrascht es nicht, dass die VitD-Werte von Mensch zu Menschen je nach Sonnenexposition und Jahreszeit stark voneinander abweichen. Bei einer Exposition von 8 % der Körperoberfläche (d. h. Gesicht und Hände) um die Mittagszeit, beträgt die zur Produktion von 100 Einheiten VitD erforderliche Expositionszeit im Sommer rund 30 bis 60 Minuten und im Winter rund 20 Stunden. In unseren Breitengraden und selbst in den Bergen sind die Bedingungen für die Sonnenbestrahlung zur Produktion dieser Dosis nur zwischen Juni und Oktober gegeben. Die im Sommer bei der VitD-Produktion erzielten Spitzenwerte nehmen ab November meist rapide ab.

Auch Sonnencremes und/oder Schutzkleidung verringern die Produktion durch die Haut, was dazu führt, dass diese VitD-Quelle häufig nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken. Der Stand der Sonne am Himmel, die Bewölkung, die Art der Wolken, die Ozonmenge, die Luftverschmutzung, die Höhenlage und die Spiegelung der Strahlen können die Qualität der VitD-Produktion beeinflussen. Letztendlich muss ausserdem darauf hingewiesen werden, dass Solarien keine gute Alternative zu Sonnenexposition sind. Die Qualität der Strahlung wird oft schlecht kontrolliert und die Risiken für die Hautalterung und Krebs sind grösser als bei natürlicher Strahlung.

2. VITD in der Ernährung

Die Lebensmittelquellen für VitD sind sehr begrenzt und bestehen hauptsächlich aus tierischen Fetten, insbesondere fettem Meeresfisch. Um die Zufuhr zu erhöhen, werden bestimmte Lebensmittel und im Besonderen Milchprodukte, Margarinen und Pflanzenöle mit VitD angereichert. Die Supplementierung ist jedoch in der Regel gering, da laut Lebensmittelgesetz pro Tagesration eines Lebensmittels nur Ergänzungen von geringer oder gleich 300 Einheiten pro Tag erlaubt sind.

Die Supplementierung

Obwohl allgemein empfohlen wird, die VitD-Zufuhr das ganze Jahr über täglich sicherzustellen, ist auch eine zweitweise Supplementierung möglich. Statt einer täglichen Zufuhr (800 bis 1000 Einheiten/Tag) können Formulierungen verordnet werden, die wöchentlich (5600 bis 7000 Einheiten/Woche), monatlich (24 000 bis 30 000/Monat) oder vierteljährlich (100 000 Einheiten) eingenommen werden und dieselbe gesundheitsfördernde Wirkung haben. Der Einsatz einer halbjährlichen oder jährlichen Megadosis (300 000 oder 600 000 Einheiten) wird aufgrund der geringeren Gesundheitsvorteile, insbesondere für die Knochen, nicht mehr empfohlen. Obwohl diese hochdosierten Präparate hilfreich sein können, um einen grossen Mangel schnell auszugleichen, werden mittlerweile eher Dosen zwischen 100 000 und 200 000 UI alle 2 Wochen über einen Zeitraum von circa 6 Wochen empfohlen. Dieses Behandlungsprotokoll ist effizienter und sicherer. Nach der Korrektur muss mit einer grundlegenden täglichen (800 bis 1200 UI/Tag), wöchentlichen (7000 bis 10 000 UI/Woche) oder monatlichen (30 000 bis 50 000 UI/Monat) Ergänzung begonnen werden.

Schlussfolgerung

VitD ist lebenswichtig für unseren Organismus, sowohl für die Regulierung des Calciumstoffwechsels und die Mineralisierung der Knochen als auch für die Prävention bestimmter Krebsarten, kardiovaskulärer Krankheiten und die Stärkung unseres Immunsystems. Obwohl die VitD-Zufuhr über die Nahrung und die Produktion durch unseren Organismus mit zunehmendem Alter zurückgehen, gibt es genügend unterschiedliche VitD-Quellen, damit jeder eine an seinen Bedarf angepasste Lösung finden kann, um seine Gesundheit zu bewahren.

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