Stets gut beraten…

the pharmacist explaining medication to customers

Barbara Kursawe

Barbara Kursawe, Apothekerin und Inhaberin der TopPharm Homberg Apotheke in Beinwil am See

April 18, 2021

Die Medizin ist ein Bereich, der sich ständig weiterentwickelt. Ständig kommen neue Studien, Techniken und Technologien zum Einsatz. Eines der Dinge, die sich geändert haben, ist, dass ein Apotheker das Recht hat, das Rezept, das Ihnen Ihr Arzt ausgestellt hat, zu ändern. Viele Menschen sind skeptisch, wenn es darum geht, ein verschriebenes Medikament gegen ein Generikum auszutauschen, aber in der Regel lassen sie sich davon überzeugen, wenn man ihnen die ganze Sache richtig erklärt. Es ist wichtig, immer gut beraten zu sein. Das ist nicht nur gut für die Kunden und ihren Geldbeutel, sondern spart auch mehr als eine Milliarde Franken pro Jahr. Würden alle Originalmedikamente gegen Generika ausgetauscht, würde sich dieser Betrag verdoppeln.

Lesen Sie den Artikel von Barbara Kursawe, um mehr über die Vorteile zu erfahren.

Die Apotheker haben seit mehr als 10 Jahren das Recht, Generika zu ersetzen. Dies bedeutet, dass der Apotheker ein vom Arzt verschriebenes Originalmedikament mit Zustimmung des Kunden durch ein Generikum ersetzen kann. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Recht in Ihrer Apotheke gemacht?

Wir haben uns schon vor der Einführung des Substitutionsrechts intensiv mit der Bewertung von Generika beschäftigt. Wir waren also gut vorbereitet. Wir konnten es in der Praxis erfolgreich umsetzen, aber anfangs gab es viel Widerstand von Seiten der Kunden. Die Kunden waren es nicht gewohnt, dass der Apotheker Einfluss auf die Verschreibung nehmen konnte. Die meisten von ihnen standen der Substitution durch ein billigeres Generikum skeptisch gegenüber. Für sie war der höhere Preis des Originals eine Garantie für Qualität und Sicherheit.

Haben sich die Einstellungen der Kunden im Laufe der Zeit geändert?

Ja, sehr sogar. Während des persönlichen Gesprächs mit dem Kunden konnten wir in der Regel die Unterschiede zwischen dem Originalpräparat und dem Generikum darlegen, und viele Kunden konnten schließlich überzeugt werden, das Generikum zu „probieren“. Nach den ersten positiven Erfahrungen der Kunden wurde die Substitution anderer Medikamente viel einfacher. Infolgedessen hat die Verwendung von Generika stetig zugenommen. Ein starker Anstieg war nach der Einführung der variablen Zuzahlung durch die Krankenkassen zu verzeichnen. Wenn der Kunde das ursprüngliche Medikament behalten wollte, musste er dafür eine Zuzahlung von 20 % leisten. Heute spart die Verwendung von Generika mehr als 1 Milliarde CHF pro Jahr. Würden alle Originalmedikamente durch ihre Generika ersetzt, könnte dieser Betrag verdoppelt werden. Es wäre also möglich, noch besser zu werden!

Wie lässt sich das bewerkstelligen?

Dies sind meiner Meinung nach die wichtigsten Gründe. Ein wichtiger Aspekt ist die Kommunikation. Sprachbarrieren sind oft ein Hindernis. Andere Gründe sind auf der Seite der Arzneimittel zu finden. Es gibt eine Reihe von Vermögenswerten, für die ein reiner und einfacher „Ersatz“ nicht möglich ist.

Es gibt also Unterschiede zwischen Originalpräparaten und Generika! Aber muss ein Generikum nicht mit dem Original identisch sein, um als Generikum akzeptiert zu werden?

Original- und Generika-Arzneimittel sind im Prinzip identisch und daher austauschbar in Bezug auf Wirkstoff, Dosierung, Indikationen und Darreichungsform. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen dem Original und dem Generikum und sogar zwischen mehreren Generika. Die Präparate, die dem Original am nächsten kommen, sind Kopien von gemeinsam vermarkteten Arzneimitteln. Diese Arzneimittel werden vom Hersteller des Originalmedikaments auf denselben Maschinen produziert, aber in einer anderen Verpackung und zu einem viel niedrigeren Preis vermarktet. Hier ist also alles gleich, abgesehen von der Verpackung und dem Preis. Echte Generika werden von einem anderen Unternehmen nach dessen eigener Rezeptur hergestellt. Um ein marktfähiges Arzneimittel zu erhalten, werden Hilfsstoffe benötigt. Diese können in Art und Menge vom Original abweichen. So kann beispielsweise eine Tablette in der Originalversion farbig, in der generischen Version jedoch weiß sein. Oder das Originalpräparat wurde als Filmtablette hergestellt, während das Generikum nicht beschichtet ist und daher bitter schmeckt. Die Unterschiede zum Original können ein Vorteil oder ein Nachteil sein. Zusätzlich zu den oben genannten Kriterien, die für das Original und das Generikum identisch sein müssen, ist der Nachweis der identischen Wirkung, d. h. der Bioäquivalenz, ebenso wichtig. Dies bezieht sich auf die Art und Weise, wie sich der Wirkstoffgehalt im Blutplasma im Laufe der Zeit verändert. Diese Entwicklung muss innerhalb einer bestimmten Grenze zwischen dem Original und dem Generikum ähnlich sein, was trotz eines identischen Wirkstoffs keine Selbstverständlichkeit ist.

Doch welchen Einfluss haben diese Elemente auf die Substitution in den oben genannten Arzneimittelgruppen?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir mehr ins Detail gehen. Die Bioäquivalenz eines Generikums sollte grundsätzlich derjenigen des Originalpräparats entsprechen, wobei eine Toleranz von +/- 20 % gilt. Einige Wirkstoffe haben jedoch eine so genannte „enge therapeutische Breite“ oder gehören zu den „critical dose drugs“ und haben beispielsweise eine nichtlineare Kinetik. Eine enge therapeutische Marge bedeutet, dass bereits eine geringe Erhöhung der Dosis zu toxischen Wirkungen führen kann, während eine geringe Verringerung der Dosis die Wirksamkeit des Arzneimittels verringert. Die nichtlineare Kinetik oder nichtlineare Freisetzungsrate des Wirkstoffs beschreibt z. B. die natürlichen Schwankungen beim Abbau des Arzneimittels, die sich auf die Wirkungsdauer auswirken. Bei diesen Arzneimitteln wird der Toleranzbereich für die Bioäquivalenz von Generika reduziert. Bei einer schwer zu kontrollierenden Krankheit kann die Substitution schwierig sein. Ein offensichtliches Beispiel sind Antiepileptika. Diese Medikamente schützen vor epileptischen Anfällen. Zu diesem Zweck muss die Konzentration des Arzneimittels im Blut für jeden Patienten genau bestimmt werden. Weicht die Bioäquivalenz eines Generikums auch nur geringfügig von der des Originals ab, kann der Schutz im Vergleich zum Original reduziert werden In extremen Fällen kann ein Patient einen Anfall erleiden, der mit dem ursprünglichen Medikament vermieden worden wäre. In extremen Fällen kann ein Patient einen epileptischen Anfall erleiden, der mit dem ursprünglichen Medikament vermieden worden wäre. Da jeder epileptische Anfall gesundheitliche und soziale Folgen hat, ist das Risiko zu groß. Stellen Sie sich vor, Sie hätten während der Fahrt einen epileptischen Anfall!

Sind daher Generika dieser Wirkstoffe sinnvoll?

Ja, denn die Einnahme von Generika verursacht keine Probleme bei einer Neuverschreibung des Arzneimittels. In diesem Fall prüft der Arzt die Wirkung und Verträglichkeit des Arzneimittels bei einer Nachuntersuchung. Je nach Präparat kann diese Untersuchung innerhalb kurzer Zeit, einmal oder mehrmals durchgeführt werden. Sobald die optimale Behandlung festgelegt ist, würde ein Wechsel zum ursprünglichen Medikament ebenfalls ein Risiko darstellen.

Allerdings kann es auch bei diesen Wirkstoffen erforderlich sein, von einem Generikum zu einem anderen zu wechseln. In diesem Fall muss der Wechsel unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Die Wirkung des Medikaments wird dann während der Umstellungsphase gezielt beobachtet und die Werte im Körper durch Labormessungen überwacht. Die Überwachung findet in der Praxis des Arztes oder der Klinik statt und ist daher mit zusätzlichen Kosten verbunden. Diese Kosten übersteigen in der Regel die Einsparungen, die durch die Umstellung auf ein Generikum erzielt werden, und machen die Umstellung daher in den meisten Fällen wirtschaftlich unnötig.

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine generische Substitution fast immer möglich ist, wenn bestimmte wichtige Kriterien erfüllt sind. Richtig?

Ja, deshalb sollten Kunden ihre Medikamente nicht leichtfertig umstellen, sondern vorher den Apotheker um ein Beratungsgespräch bitten.

Was die Generika betrifft, so steht ihr Preis ständig zur Debatte. Sie soll immer noch zu hoch sein. Was ist Ihre Meinung?

Santésuisse hat 2015 die Preise in Europa verglichen. In den Nachbarländern sind die Preise 40 bis 70 % niedriger als in der Schweiz. Das klingt enorm, aber der Unterschied ist derselbe wie bei anderen Produkten. So kostet beispielsweise ein BigMac in Holland nur 43 % des Preises in der Schweiz (Quelle: The Economist, 3.2015). Der Hauptunterschied liegt jedoch in den Modellen, die in den einzelnen Ländern für Generika angewandt werden. Während wir ein Modell der freien Wahl der Versorgung haben, haben die meisten umliegenden Länder ein Festbetragsmodell. Das bedeutet, dass die Krankenkassen nur den Preis für das billigste Generikum erstatten. Wenn der Patient nichts bezahlen will, ist er verpflichtet, dieses Arzneimittel zu wählen. Da der Preis der einzige Wettbewerbsfaktor für die verschiedenen Generikahersteller ist, wird jedes Jahr bis auf den letzten Cent gefeilscht. Wenn ein Unternehmen einen niedrigeren Preis als die anderen anbietet, müssen alle auf das billigere Produkt umsteigen. Betrachtet man das ganze System aus der Sicht des Patienten, so wird der vorteilhafte Preis durch eine Reihe von Qualitätsverlusten getrübt. Das einzige Kriterium ist der Preis! Die Beschichtung von Tabletten zur Erleichterung des Schluckens wird von Billiganbietern aus Kostengründen aufgegeben. Die Namensmarkierung auf den Tabletten zur besseren Erkennung wurde entfernt, wodurch sich die Verwechslungsgefahr für Patienten, die mehrere Tabletten gleichzeitig einnehmen müssen, erhöht. Medikamente in verschiedenen Formen, lösliche Tabletten, Sirup und Tropfen, werden auf das Wesentliche reduziert. Ich hoffe deshalb, dass wir in der Schweiz noch lange einen freien Generikamarkt haben werden, in dem die Pharmaunternehmen durch Qualität und Service Marktanteile gewinnen und die Patienten von hochwertigen Medikamenten und Dienstleistungen profitieren können.

Danke, Frau Kursawe, für das tolle Interview!

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