Perkutane und minimalinvasive Vorfuss-Chirurgie

legs in the ocean

Dr. El Yazid Mouhsine

Zentrum für Fuss- und Sprunggelenkmedizin und -chirurgie, Klinik Genolier, Klinik Genolier Montchoisi, Lausanne

50+

Juni 25, 2021

Unsere Füße können zahlreiche Deformitäten aufweisen, von denen einige auch gleichzeitig auftreten können. Deformitäten wie Hallux rigidus, Hallux valgus, Krallen- oder Hammerzehen sind häufig und potenziell schmerzhaft. Sie können uns auch das Anziehen von Schuhen und Ähnlichem erschweren. Es gibt natürlich auch weniger häufige Fußkrankheiten, die chirurgisch behandelt werden können. Die Fußchirurgie hat sich im Laufe der Jahre stark verbessert. Was früher große, schwere Operationen mit zahlreichen Komplikationen waren, sind heute bequeme, zuverlässige, ästhetische Operationen mit weniger Risiken. Die meisten dieser Eingriffe können mit minimalen oder gar keinen Schnitten durchgeführt werden. Es handelt sich um perkutane und minimalinvasive Eingriffe, die häufig keinerlei Narben hinterlassen.

Wenn Sie mehr erfahren möchten, lesen Sie den Artikel von Dr. El Yazid Mouhsine weiter.

Vorfussdeformitäten

Vorfussdeformitäten (Hallux valgus (Fehlstellung der Grosszehe), Krallenzehen oder Hammerzehen, Quintus varus (Fehlstellung der Kleinzehe), Hallux rigidus (Arthrose…) sind häufig, besonders bei Frauen. Diese Deformitäten können störend sein, weil sie Schmerzen verursachen, das An- und Ausziehen von Schuhen erschweren und unästhetisch sind, was Auswirkungen auf die Psyche haben kann, aus Angst, «die Füsse zu zeigen». Manchmal liegt auch eine Kombination aus zwei oder drei dieser Symptome vor.

Andere Fusserkrankungen sind seltener (beispielsweise ein Fersensporn, eine Entzündung der Aponeurosis plantaris (Sehnenplatte im Bereich der Fusssohle), Arthrose im Mediotarsalgelenk oder im Hinterfuss, osteochondrale Läsionen oder Läsionen der Knöchelbänder, Achillessehnenruptur …) und können chirurgisch behandelt werden. Die Fusschirurgie hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Sie hat sich von schweren chirurgischen Eingriffen, die mit starken Schmerzen und einer langen Funktionseinschränkung einhergehen, zu einer komfortableren, funktionaleren und ästhetischeren Chirurgie gewandelt. Heute können Vorfussdeformitäten (Hallux valgus (Fehlstellung der Grosszehe), Krallenzehen oder Hammerzehen, Quintus varus (Fehlstellung der Kleinzehe), Hallux rigidus (Arthrose) …) perkutan (ohne Einschnitt und somit ohne Narbe) oder minimalinvasiv (kleiner Einschnitt von wenigen Millimetern, genannt MIS: minimal invasive surgery) korrigiert werden. Die Ergebnisse dieser Eingriffe entsprechen mittel- und langfristig jenen, die mit immer noch praktizierten offenen Operationen erzielt werden. Der Vorteil dieser sanften Chirurgie, die weltweit zum Einsatz kommt und sich immer weiter verbreitet, liegt darin, dass die Strukturen so wenig wie möglich angegriffen werden und interne Implantate nur minimal zum Einsatz kommen. Daher sind die Folgen der Operation weniger schwerwiegend, was eine schnellere Rückkehr ins Alltagsleben ermöglicht (je nach Schweregrad der Deformitäten und abhängig davon, ob ein oder zwei Füsse betroffen sind sowie von Alter und Gesundheitszustand). Diese Erkrankungen können selbstverständlich auch nicht-chirurgisch behandelt werden. Eine solche Behandlung wird mit dem Arzt abgesprochen, bevor ein chirurgischer Eingriff beschlossen wird. Für Fussdeformitäten können Fussbetteinlagen, korrigierende Orthesen, Physiotherapie, Reflexzonenmassagen usw. verschrieben werden. Die Vor- und Nachteile jeder Behandlungsmöglichkeit werden erklärt und die Entscheidung liegt – manchmal mit der Unterstützung des behandelnden Arztes – beim Patienten.

Chirurgische Behandlung

Hallux valgus (HV) und Quintus varus (QV)

Das Verfahren umfasst die Sektion des Phalanx-Bands des Abduktors der Grosszehe, die Ablation der Ecostose und die Realignment-Osteotomie (Bruch) des ersten Fusswurzelknochens (HV) oder des fünften Fusswurzelknochens (QV). Meistens muss die Korrektur durch die Neuausrichtung des grossen Zehs durch eine Osteotomie des ersten Zehenglieds perfektioniert werden. Dieser gezielte Bruch wird mit einer über der Haut sichtbaren 2 mm dicken Klammer aus Edelstahl fixiert, die spätestens 4 Wochen nach der Operation entfernt wird. In seltenen Fällen ist diese Klammer auch für die Kleinzehe erforderlich, bei der Grosszehe kommt sie standardmässig zum Einsatz.

Krallenzehen

Die Korrektur erfolgt durch eine Blockierung von 1 oder 2 Gelenken der 2., 3., 4. oder 5. Zehe. Diese Blockierung wird entweder mit einer über der Haut sichtbaren Klammer fixiert, die nach 4 Wochen entfernt wird, oder mit einem internen Implantat. Je nach Schweregrad und Typ der Deformität kann zusätzlich eine Sektion der Sehnen der Beuge- oder Streckmuskeln vorgenommen werden.

Metatarsalgien

Eine Luxation oder Subluxation der MTP-Gelenke, Arthrose oder einfach eine Ungleichheit der Mittelfussknochen (zum Beispiel beim griechischen Fuss) kann Schmerzen verursachen. Diese können mit fixierten oder nicht fixierten, offenen oder perkutanen Verkürzungsosteotomien behandelt werden.

Hallux rigidus (HR)

Diese Erkrankung wird vor allem mit einer Arthrodese (definitive Blockierung des Gelenks) oder durch eine Arthroplastik (Ersatz des Gelenks durch eine Prothese) behandelt. Je nach Zustand des Gelenks und den Bedürfnissen des Patienten kann jedoch auch perkutan eine einfache Resektion der Knochenwülste (Osteophyten) vorgenommen werden, ohne endgültiges oder provisorisches Implantat. So können die Schmerzen verringert oder beseitigt und die Mobilität des Gelenks verbessert werden, vor allem wird jedoch das An- und Ausziehen von Schuhen erleichtert. In seltenen Fällen reicht dies nicht aus und in einem zweiten Schritt muss eine Arthrodese oder eine Arthroplastik vorgenommen werden.

Anästhesie

Die Operation kann unter Vollnarkose, einer Spinal- oder einer Regionalanästhesie durchgeführt werden. Die Entscheidung hängt vom Gesundheitszustand ab, welcher die eine oder andere Anästhesieform ausschliessen kann, oder vom Wunsch des Patienten. Eine Regionalanästhesie ermöglicht Schmerzfreiheit in den auf die Operation folgenden Stunden, kann jedoch die Rehabilitation verlangsamen.

Folgen der Operation

Die Folgen variieren selbstverständlich je nach Art, Schweregrad der korrigierten Deformitäten und ihrer einmaligen Form. In den meisten Fällen kann der Patient den Fuss jedoch direkt im Anschluss mit einem Spezialschuh wieder voll belasten. Gehstöcke sind nicht erforderlich. Der Spezialschuh wird nach 4 Wochen nicht mehr gebraucht. Zu Hause ist das Gehen mit nackten Füssen erlaubt. Da der Patient direkt nach der Operation wieder gehen kann, kann er seine Alltagsbeschäftigungen sofort wieder aufnehmen, auch Reisen sind möglich. Der Rhythmus muss jedoch an den Eingriff angepasst werden. Der Patient muss Erholungszeiten einplanen, in denen der Fuss hochgelegt werden kann. Beim Duschen muss eine Spezialsocke oder eine Plastiktüte verwendet werden. Im Allgemeinen kann der Patient nach Eingriffen mit diesen Verfahren noch am Tag der Operation wieder nach Hause gehen, oder, je nach Art der Operation und den Begleiterkrankungen des Operierten, in den fünf auf den Eingriff folgenden Tagen.

Beim Sitzen sollte der Fuss hochgelegt werden, um ein Anschwellen zu vermeiden. Das Autofahren ist erlaubt, sofern es die Schmerzen zulassen. Durch Autofahren werden die Ergebnisse des Eingriffs grundsätzlich nicht beeinträchtigt und letzterer wirkt sich auch nicht auf die Fahrtüchtigkeit aus. Bei einer sitzenden Tätigkeit (zum Beispiel im Büro) kann die Arbeit nach ein bis zwei Wochen schnell wiederaufgenommen werden. Personen, die im Stehen arbeiten, einer körperlichen Tätigkeit nachgehen oder lange laufen müssen, müssen mit einer Arbeitsunfähigkeit von bis zu sechs Wochen oder länger rechnen. Auch hier hängt die Wiederaufnahme der Arbeit von den Kapazitäten des Patienten und dem Schweregrad der durchgeführten Korrekturen ab. Verbände werden einmal wöchentlich von unserer Assistentin gewechselt. Nachsorgeuntersuchungen werden je nach Eingriff während 3-5 Wochen einmal wöchentlich durchgeführt, anschliessend nach 3 Monaten, nach 6 Monaten und nach einem Jahr. Um das Körpergewicht optimal auf die Füsse zu verteilen, werden massgeschneiderte Fussbetteinlagen verschrieben, um Überlastungsverletzungen und eine progressive Absenkung des Fussgewölbes zu verhindern. Auch massgeschneiderte Einlegesohlen können verschrieben werden.

Mögliche Komplikationen

Komplikationen sind sehr selten, der Patient muss jedoch darüber informiert sein, um sie zu erkennen und so rasch wie möglich zu behandeln. In seltenen Fällen kommt es zu Infektionen. Sie werden mit Antibiotika behandelt und gegebenenfalls wird das implantierte Material entfernt. Auch Thrombosen und Lungenembolien sind sehr selten. Sie sind vor allem mit Risikofaktoren verbunden: Bettlägerigkeit, Druckverband, Hyperkoagulabilität, vorangegangene Thrombose und Embolie … Wenn Risikofaktoren vorhanden sind, wird eine Prophylaxe verschrieben. Bei einer Nichtkonsolidierung der Osteotomie muss die Ursache (Osteoporose, Vitaminmangel, Tabak …) erforscht und behandelt werden. Im Allgemeinen ist die Konsolidierung erfolgreich. In Ausnahmefällen ist die Konsolidierung aus radiologischer Sicht nicht erreicht, aber es treten keine klinischen Symptome auf. Sehr selten muss auf eine Therapie für Pseudarthrose zurückgegriffen werden. Unzureichende Korrektur: Je nach Schweregrad der Deformitäten ist die Korrektur möglicherweise nicht ausreichend. In diesem Fall kann eine zusätzliche Korrektur erforderlich sein, wenn der Patient dies als erforderlich erachtet oder auf Vorschlag des Chirurgen zustimmt. Rezidive: Da die Senkung des Fussgewölbes stark zu dieser Art von Deformität beiträgt, werden Fussbetteinlagen verschrieben, um Rezidive zu vermeiden. Auch eine stark verkürzte hintere Muskulatur (Beugemuskeln), verursacht durch das Tragen von Absatzschuhen, kann ein Rezidiv begünstigen. Daher muss diese Muskulatur regelmässig gedehnt werden. Vorübergehend kann es zu Gelenksteife, Ödemen, einer Entzündung der Aponeurosis plantaris, neurologischen Störungen (Dysästhesien oder unzureichende Koordinierung…) kommen. In der Regel verbessern sich diese Komplikationen durch Lymphdrainagen, Reflexzonenmassagen und Mobilisierung.

Schluss

Die perkutane und minimalinvasive Vorfuss-Chirurgie ist funktionaler und weniger schmerzhaft geworden. Sie ist komfortabler, ästhetischer und lässt den Ruf von einschränkenden, behindernden Operationen, der den alten Techniken anhaftet, langsam aber sicher in Vergessenheit geraten.

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