Gut aufgehoben in Ihrer Apotheke

Barbara Kursawe

Barbara Kursawe, Apothekerin und Inhaberin der TopPharm Homberg Apotheke in Beinwil am See

Mai 25, 2021

Mehr als 70 % der über 65-Jährigen nehmen täglich mehr als 5 Medikamente ein. Und 50 bis 60 % der Menschen mit chronischen Erkrankungen nehmen ihre Medikamente falsch ein. Deshalb ist der Polymedikations-Check (PMC) von entscheidender Bedeutung. Das Vergessen der Einnahme des Arzneimittels oder eine unregelmäßige Einnahme kann ein Kampf sein und die Wirkung minimieren. Deshalb liefern Apotheken den Service mit einem Blister. Um mehr über die Dienstleistungen zu erfahren und wofür Blister geeignet sind, lesen Sie diesen Artikel weiter.

Gesundheitsfachleute empfehlen nebst dem Hausarzt auch eine StammApotheke. Was können Sie als Stamm-Apotheke Ihren Kunden anbieten?

Wenn Kunden alle ihre Medikamente in der gleichen Apotheke beziehen, erhöht es ihre persönliche Sicherheit, denn alle Medikamente werden standardmässig auf gegenseitige Wechselwirkungen, Dosierungsfehler und Doppelspurigkeiten geprüft. Zudem ist es angenehmer und einfacher, wenn sich Apotheker und Kunde persönlich kennen, denn zunehmend bieten Apotheken nebst Medikamenten, Kosmetikartikeln und Produkten zur Prävention auch neue Dienstleistungen an.

An welche Dienstleistungen denken Sie konkret?

Eine von Kunden geschätzte Dienstleistung ist der sogenannte Polymedikations-Check (PMC). Es handelt sich dabei um ein vertieftes und dokumentiertes Medikamentengespräch, welches mit dem Apotheker im Betreuungsraum durchgeführt wird. Das Gespräch dauert in der Regel etwa 20 Minuten. Die Kosten werden zweimal jährlich von der Krankenkasse übernommen, vorausgesetzt, dass mindestens 4 verschiedene Medikamente über einen Zeitraum von 3 Monaten ärztlich verordnet sind.

4 verschiedene Medikamente über 3 Monate klingt nicht nach viel oder kompliziert. Unter Polymedikation versteht man doch den Einsatz von ‚vielen Medikamenten‘. Macht diese Dienstleistung so wirklich Sinn?

Die Dienstleistung macht absolut Sinn! In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass nur etwa 50 bis 60% aller Menschen mit chronischen Leiden ihre Medikamente korrekt einnehmen. In den zahlreichen Polymedikations-Gesprächen, welche wir in unserer Apotheke bereits geführt haben, können wir diesen Umstand bestätigen. Häufige Gründe für das Nachlassen der Therapietreue sind das mangelnde Wissen um die Notwendigkeit und die Auswirkungen der Therapie oder Einnahmevorschriften, welche nicht in den Alltag passen. Beides sind Punkte, die wir im Gespräch ansprechen und den Patienten die Fragen in diesem Bereich beantworten. Stellen wir fest, dass Alltagsprobleme eine korrekte Einnahme beeinträchtigen, suchen wir gezielt Lösungen für die persönliche Situation des Kunden. So steigt die Motivation, die Medikamente wieder zuverlässiger und korrekt einzunehmen.

Gibt es noch weitere Aspekte, die Sie beim Polymedikations-Check wiederholt beobachtet haben?

Komplizierte oder unregelmässige Dosierungen können in manchen Situationen den Umgang mit den Medikamenten erschweren. Dosierungsvorschriften mit halbierten Tabletten sind nicht so einfach in die Tat umzusetzen wie es zunächst aussieht. Einige Tabletten lassen sich per se schlecht halbieren, zerbröseln oder zersplittern in ungleiche Teile. Andere Tabletten sind sehr klein und für das Halbieren nicht geeignet. Einnahmevorschriften wie ‚jeden 2. Tag‘ stellen zusätzliche Anforderungen an die Organisation rund um die Medikamente. Auch Parallelverordnungen von Originalmedikamenten und Generika bei Verordnungen verschiedener Ärzte oder nach einem Spitalaustritt kommen häufig vor.

Und wie steht es um die Vergesslichkeit im Bereich der Medikamenteneinnahme?

Das Vergessen der Tabletteneinnahme oder die Verunsicherung darüber, ob die Tabletten heute überhaupt schon genommen wurden sind ebenfalls sehr häufige Besprechungspunkte. Meistens haben unsere Kunden Hemmungen darüber zu sprechen. Doch das Vergessen hat nur selten mit dem Alter zu tun! Wer über längere Zeit Medikamente einnimmt kommt in die Routine. Routinearbeiten erledigen wir häufig unbewusst. Wie häufig fragen wir uns als Beispiel, ob wir die Haustüre abgeschlossen haben? Genauso verhält es sich bei den Medikamenten. Einfache Tricks oder Hilfsmittel, wie das Rüsten der Medikamente in Wochendosetts oder das professionelle Medikamente-Vorrichten in Medikamentenblister durch die Apotheke können helfen.

Welche Auswirkungen auf die Gesundheit haben weggelassene oder vergessene Tabletteneinnahmen?

Die Folgen sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Massgebend ist sicherlich die Anzahl der am Stück ausgelassenen Tabletteneinnahmen. Weiter spielen der Wirkstoff und dessen Verhalten im Körper eine Rolle. Jeder Wirkstoff verhält sich bezüglich der Aufnahme, des Abbaus und der Ausscheidung aus dem Körper anders. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass es etwa 3 aufeinanderfolgende Medikamenteneinnahmen braucht, also meistens 2 bis 3 Tage, um nach dem Auslassen des Wirkstoffes den Wirkstoffspiegel im Blut wieder herzustellen. Im Zusammenhang mit lebenswichtigen Medikamenten kann also ein einziger Auslassversuch bereits Folgen haben.

Bestimmt sind auch Wechselwirkungen unter den Medikamenten ein Thema?

Mehr als 70% der über 65 jährigen Menschen nehmen täglich 5 oder mehr Medikamente ein. Da sind Wechselwirkungen vorprogrammiert. Immer wieder entdecken wir, dass bei mehreren involvierten Ärzten nicht alle voneinander wissen, beziehungsweise informiert sind, welche Medikamente vom Kollegen auch noch verordnet wurden. Als Medikamentenspezialisten ist es für uns alltäglich solche Wechselwirkungen oder auch Nebenwirkungen aufzudecken. Im Rahmen des Polymedikations-Checks suchen wir gemeinsam mit den verordnenden Ärzten die passende Lösung.

Welche Vorteile bietet das professionelle Medikamentenrichten durch die Apotheke gegenüber dem eigenen Vorrichten zu Hause?

Das Medikamenten-Richten durch die Apotheke bietet Ihnen zusätzliche Sicherheit. Alle Blister werden von einer Fachperson gerüstet und vom Apotheker oder der Apothekerin kontrolliert und mit persönlichem Visum freigegeben. Zudem können Medikamentenabfälle mit der professionellen Systemlösung Pharmis® minimiert werden. So sparen auch Sie Medikamentenkosten. Dies rechnet sich vor allem bei oft wechselnden Verordnungen, z.B. nach Spitalaustritten oder Kuraufenthalten. In der Regel bieten die Apotheken mit dem Blister auch einen Lieferdienst an. So erhalten Sie automatisch den neuen Wochenblister und allfällige zusätzliche Produkte dazu. Die leeren Blister werden übrigens von der Apotheke zurückgenommen und fachgerecht entsorgt.

Was passiert bei Änderung der persönlichen Medikation?

Wenn sich die Dosierung eines Medikaments ändert, oder ein neues Medikament verschrieben wird, erhalten Sie von ihrer Apotheke einen neuen Blister mit den neuen Medikamenten. Dazu braucht die Apotheke lediglich das Rezept vom Arzt oder eine neue Dosierungsvorschrift. Der Blister mit der ‚alten Verordnung‘ wird zurückgenommen und die darin enthaltenen Tabletten können auf Grund der Chargenrückverfolgbarkeit wiederverwendet werden. Weil mit Pharmis® Medikamentenkosten gespart werden können, profitieren Sie und Ihre Krankenkasse bei einem längeren Einsatz von Pharmis® zunehmend.

Für wen sind die Pharmis Wochenblister geeignet?

Pharmis eignet sich für Menschen, die:

• Täglich mehrere Medikamente einnehmen müssen

• Die Risiken der Wechselwirkungen der einzelnen Medikamente minimieren möchten

• Nach Spital- oder Kuraufenthalt häufig wechselnde Medikamente haben

• Ihre Medikamente in einer praktischen Form mit auf die Reise nehmen möchten

• Sicher sein möchten, dass Sie die richtigen Medikamente zum richtigen Zeitpunkt einnehmen

• Unterstützung möchten, damit sie die Medikamenteneinnahme nicht vergessen

• Bei der Betreuung durch die Spitex Medikamentenkosten sparen möchten

• Beim Rüsten der Medikamente Unterstützung brauchen (Sehbehinderte Menschen, Menschen mit Parkinson, etc.)

Die Errungenschaften der Medizin, aber auch in der Ernährung und der Hygiene bescheren uns Menschen grundsätzlich eine immer steigende Lebenserwartung und auch eine bessere Lebensqualität im Alter. Dennoch ist es an jedem Einzelnen, in diesen Bereichen aktiv zu werden und persönlich dafür besorgt zu sein. Die Apotheke als Gesundheitszentrum kann Ihnen in verschiedener Hinsicht wertvolle Dienste leisten.

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