Presbyakusis oder Altersschwerhörigkeit

man has a hearing loss so he's holding to his ear

Dr. Arnaud Tripet

HNO-Kopf- und Halschirurgie, chemin de Beau-Soleil, Genf

Mai 11, 2022

Presbycusis ist ein altersbedingter Hörverlust. Es handelt sich um einen allmählichen Hörverlust, was bedeutet, dass manche Menschen ihn anfangs gar nicht bemerken. Die Ursachen sind meist genetisch oder umweltbedingt. Sie kann durch langes Hören lauter Geräusche, Verlust von Haarzellen, Alterung, Nebenwirkungen von Medikamenten, vererbte Faktoren usw. verursacht werden. Natürlich gibt es Behandlungsmöglichkeiten, die jedoch von Ihrem Alter, dem Gesamtschweregrad, der bevorzugten Medikation, dem allgemeinen Gesundheitszustand und der Krankengeschichte und vielem mehr abhängen. In den meisten Fällen sind Hörgeräte erforderlich, um den Hörverlust zu mindern. Dank des ständigen technologischen und medizinischen Fortschritts wird diese Last zum Glück immer leichter zu tragen sein.

Möchten Sie mehr darüber erfahren? Lesen Sie weiter im Artikel von Dr. Arnaud Tripet.

Der Begriff stammt vom Griechischen „presbus“ für alt und „akousis“ für Gehör. Die Altersschwerhörigkeit ist ein physiologisches, in den viel generelleren, normalen Alterungsprozess des Menschen eingebettetes Phänomen. Es handelt sich um einen allmählichen Hörverlust und betrifft die gesamte Bevölkerung, auch wenn die Schwerhörigkeit nicht bei allen in gleichem Mass auftritt. Bezüglich Beginn, Entwicklung und Auswirkungen auf den Alltag gibt es grosse individuelle Unterschiede. Dennoch weisen mindestens 30 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre und mehr als 50 Prozent der über 80-Jährigen Symptome auf. Männer scheinen davon häufiger betroffen als Frauen. Bei unter 50-Jährigen ist die Altersschwerhörigkeit seltener, doch die Statistiken variieren je nach Hörgewohnheiten, etwa der Lärmbelastung.

Anzeichen

Die Hörbeeinträchtigung durch die Altersschwerhörigkeit vollzieht sich langsam und schleichend. Sie äussert sich durch den zunehmenden Hörverlust von hohen Frequenzen und hat bis zu einer gewissen Schwelle keine oder kaum klinische Auswirkungen. Manchmal konsultiert die betroffene Person erst bei Ohrgeräuschen (Pfeifen) den Arzt. In diesem Fall handelt es sich um eine zufällige Entdeckung der Presbyakusis.

Soziale Auswirkungen zeigen sich ab einem Anstieg der Schwelle um 30dB gegenüber dem normalen Hörvermögen auf eine Frequenz von 2000 Hz. In den meisten Fällen beklagt sich der Schwerhörige, er könne in einem lärmigen Umfeld den Gesprächen nicht mehr folgen, und er versteht höhere Frauenstimmen schlechter. Erwerbstätige ziehen hier unverzüglich einen Arzt bei, denn die Qualität des Hörvermögens kann bei ihrer Arbeit eine wichtige Rolle spielen. Leider zögern viele Menschen den Besuch beim Spezialisten hinaus. Der Hörverlust entwickelt sich langsam zu einem fortgeschritteneren Stadium weiter, wirkt sich nun wirklich auf die Kommunikation aus und führt oft zur Isolation der Person gegenüber ihrem Umfeld.

Da die Kommunikation einerseits zu schwierig ist, andererseits Lärm aber auch als Aggression erlebt wird, werden öffentliche Plätze, Theater und Kino gemieden. Sogar das Telefonieren wird zum Problem, nicht selten tritt ein depressives Syndrom auf.

Das Hörorgan

Bei Presbyakusis handelt es sich typischerweise um Innenohrschwerhörigkeit, aber nicht ausschliesslich. Die Ohrschnecke, Cochlea, ist ein unglaubliches Organ mit sogenannten Haar- oder Sinneszellen ausgelegt, die in an den Spitzen verbundenen Haarbüscheln angeordnet sind. Auseinander gefaltet lässt sie sich am ehesten mit einer Klaviertastatur vergleichen. Die für die Kodierung hoher Frequenzen verantwortlichen Zellen befinden sich in der basalen Schneckenwindung und scheinen sensibler aufs Altern zu reagieren. Dies erklärt den Verlust hoher Töne bei einer relativen Beibehaltung der Hörschwelle bis 1000 Hz. Auf der Ebene der „Stromleitungen“ zwischen dem Innenohr und dem Gehirn ist auch eine Schädigung der Nerven möglich. Ab einem bestimmten Grad der Verschlechterung ist sie nicht nur für den Verlust hoher Frequenzen verantwortlich, sondern auch für eine schlechtere Unterscheidungsschwelle, was etwa der Fähigkeit entspricht, die Frequenzen des Gesprächspartners auszuwählen.

Auch andere Arten von Schädigungen sind möglich (Stria vascularis, Basilarmembran, Lig. spirale, Degeneration der Hörbahnen im Hirnstamm) und können mit Gedächtnisund Aufmerksamkeitsstörungen oder Bewegungskoordination assoziiert sein.

Ursachen

Die Ursachen sind im Wesentlichen umweltbedingt und genetisch.

Eine starke oder auch eine geringe, dafür über längere Zeit anhaltende Lärmbelastung ruft eine Schädigung beim Hören hoher Frequenzen hervor, wobei das Hören tiefer Frequenzen erhalten bleibt. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich empfindlich auf eine solche Exposition.

Es konnte eine Korrelation mit Gefässerkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit, der transitorischen ischämischen Attacke („Streifung“) oder dem definitiven Schlaganfall, Arterienverkalkung in den Beinen usw. nachgewiesen werden.

Die toxische Wirkung gewisser Medikamente auf das Hörorgan ist bekannt.

Schilddrüseninsuffizient, Diabetes, Alkohol, Tabakgenuss und verschiedene Erkrankungen des Mittelohrs sind ebenfalls mit der Altersschwerhörigkeit korreliert. Schliesslich konnten wir ebenfalls nachweisen, dass genetische Faktoren die Presbyakusis beeinflussen, entweder direkt oder indem sie eine höhere Empfindlichkeit gegenüber Umweltfaktoren begünstigen.

Nachweis

Der Nachweis fusst in erster Linie auf der Suche nach einer Veränderung des Verstehens bei Lärm (im Supermarkt oder Restaurant beispielsweise) sowie nach einer Intoleranz gegenüber intensiven Geräuschen. Ohrgeräusche, die sich insbesondere durch ein Pfeifen im Ohr manifestieren, sind besonders bei Stille störend und können manchmal der Auslöser für einen Arztbesuch sein. Dank ihnen lässt sich in manchen Fällen eine beginnende oder infraklinische Altersschwerhörigkeit nachweisen. Eine bereits fortgeschrittene Presbyakusis muss aber nicht zwingend von Ohrgeräuschen begleitet sein. Ohne sich dessen bewusst zu sein, entwickeln einige von Hörverlust Betroffene die Fähigkeit, Lippen zu lesen. Nicht jeder Mensch hat die gleiche Anpassungsfähigkeit.

Mit einem Tonaudiogramm kann die Hörschwelle für Frequenzen zwischen 250 Hz und 8000 Hz getestet werden, was ungefähr dem täglich genutzten Hörspektrum entspricht. Das Sprachaudiogramm basiert auf dem Verstehen von einfachen, in verschiedenen Lautstärken vorgegebenen Worten. Damit lässt sich die Sprachverständlichkeit feststellen. Diese Tests finden beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt statt, können aber auch bei einem Hörgeräteakustiker durchgeführt werden.

Behandlung In den meisten Fällen ist das Tragen einer Hörprothese nötig. In diesem Bereich ist die Technologie weit fortgeschritten, die Hörgeräte sind heute sehr leistungsstark, äusserst klein und fallen immer weniger auf. Bei der Auswahl eines Hörgeräts ist eine gute Beratung ausschlaggebend, die die Bedürfnisse des Trägers berücksichtigt. Die teuerste Prothese ist nicht zwingend die Beste für den Träger. In dieser Phase spielt der Hörgeräteakustiker eine wesentliche Rolle, um auch die Feineinstellung sowie die Nachkontrolle zu gewährleisten.

Je nach Schwere des Hörverlusts übernehmen IV oder AHV einen Teil der Kosten. Das Gutachten muss von einem zugelassenen HNO-Spezialisten erstellt werden, der Ihnen auch bei der Formulierung des Antrags behilflich sein wird.

Es kann vorkommen, dass bei einem tiefgreifenden, beidseitigen Hörverlust ein Hörgerät nicht mehr hilft. Je nach Situation könnte ein Cochlea-Implantat in Betracht gezogen werden.

Schlussfolgerung

Die Altersschwerhörigkeit fügt sich in eine viel globalere Betreuung des Älterwerdens ein. Sie sollte nachgewiesen werden, doch sollten dabei noch andere Schädigungen berücksichtigt werden, die den Hörverlust direkt oder indirekt beeinflussen können. Lärmbelästigung, Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen, Veränderung der Gehirnfunktionen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen, beispielsweise beim Gehen, dürfen nicht ignoriert werden.

Heutzutage beeinträchtigt ein Hörverlust zwar den Alltag, doch die damit verbundene Isolation und Depression sind nicht mehr unabwendbar. Fachleute hören Sie gerne an und beantworten Ihre Fragen, um gemeinsam mit Ihnen genau die Lösung zu finden, die sich für Sie am besten eignet.

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